Die Zürichsee-Zeitung berichtet über die Seestadt

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Zürichsee-Zeitung
23.03.2016

Das See-Gymi passt gut ins Konzept des Seestadt-Architekten

Von Christian Dietz

Hannes Strebel sieht seine «Vision 2050» mit einer Seestadt in Uetikon bestärkt. Der Kauf des Areals der Chemie­-Uetikon durch den Kanton mache für den Architekten den Weg frei für ein zukunftsweisendes Zentrum am rechten Ufer.

Die Vision hat einen Schritt Richtung Realität gemacht. Denn seit der Kanton Zürich am Dienstag den Kauf des Chemieareals in Uetikon bekannt gegeben hat, dürfen Wünsche zur Nutzung des 65 000 Quadratmeter grossen Gebiets mit rund 600 Metern Seeanstoss laut ausgesprochen werden.

Der Bau des Gymnasiums öffnet Uetikon den Durchgang zum See, zumal Uetikon dem Kanton die westliche Hälfte des Areals für 26 Millionen Franken abkaufen kann. Noch in diesem Herbst soll der Handel an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung besiegelt werden.

Drei Dörfer vereinen

Für Hannes Strebel sind das elektrisierende Nachrichten. Seit 35 Jahren, fast sein halbes Leben lang, beschäftigt sich der in Uetikon aufgewachsene Architekt mit der alten Chemieliegenschaft am See. Bereits 1981 fertigte er Skizzen zur Umnutzung an. Er ahnte damals schon, dass irgendwann eine Industrieanlage solchen Ausmasses am rechten Zürichseeufer nicht mehr zeitgemäss sein würde.

Strebel zeichnete und visionierte. Immer ging es um eine öffentliche Nutzung des riesigen Areals. 2013 präsentierte er die Konklusion aller seiner Ideen. Er nannte sie «Vision 2050» und prägte darin den Begriff Seestadt. Dieser steht für den Zusammenschluss von Meilen, Uetikon und Männedorf. Die Seestadt vereint Verwaltung, Kultur, Freizeit, Hotellerie und Gewerbe der drei Gemeinden. Den Bahnhof Uetikon verlegt Strebel 200 Meter westwärts in das neue Zentrum. Die Seestrasse will er vom Durchgangsverkehr befreien. Auf dem Hang über dem Chemieareal könnte das neue Stadtzentrum mit verdichteten Wohnbauten in Bahnhofnähe entstehen.

Uetikon ist zu klein für Gymi

Von einem Gymnasium sprach der 73-Jäh­rige damals noch nicht. Aber jetzt, wo der Kanton dort eine Mittelschule bauen wird, sieht Strebel sich bestätigt: «Ein Gymnasium würde perfekt zur Seestadt passen.» Der Architekt mahnt zugleich, die Kantonsschule nicht zum alleinigen Zweck der Arealnutzung zu machen und dabei das grosse Ganze aus dem Auge zu verlieren. Der Kanton müsse eine langfristige Perspektive verfolgen, es gehe um die nächsten 50 bis 100 Jahre. «Dazu braucht es eine Vision.»

Strebel glaubt, dass sich das Gymnasium auf die Entwicklung von Uetikon und der Region auswirken werde. «Uetikon alleine ist zu klein für diese Zentrumsfunktion, darum muss es mit den beiden Nachbargemeinden zusammenwachsen.» Erst dann werde das «Riesenpotenzial» dieses Areals ausgeschöpft.

«Grosses kann entstehen»

Dass er mit urbanen Visionen die Bevölkerung eher abschrecken als für neue Ideen gewinnen würde, lässt Hannes Strebel nur zum Teil gelten. «Ja, wahrscheinlich wollen die Leute eher das Dörfliche bewahren, als den Tatsachen offen ins Auge zu schauen.» Die Region sei längst zur Stadt gewachsen, das könne nicht rückgängig gemacht werden. «Was wir beeinflussen können, ist, ob diese Stadt anarchisch oder geordnet wächst.»

Er ist optimistisch. Wenn die Bevölkerung laufend informiert und in den Gestaltungsprozess mit einbezogen werde, «kann Grosses entstehen». Strebel will sich an der Ideenbörse und später an einem Architekturwettbewerb beteiligen. Natürlich würde er darin die Eckpfeiler seiner «Vision 2050» und der Seestadt einfliessen lassen: mit Uferpromenade, Café, öffentlichen Plätzen als Treffpunkt, zum Verweilen und Spielen, mit verlegtem Bahnhof und Wohnbauten am Hang.

Nicht nur das Nötigste

Zu viel des Guten? Vielleicht – aber Hannes Strebel ist Spezialist für Revitalisierungen von alten Fabrikarealen, wie er es in Tramelan, Hittnau und Wald bewiesen hat. Dort baute er aus einer ehemaligen Uhrenfabrik, einer Baumwollspinnerei und einer Weberei Lofts und Gewerbeateliers.

Dass er in Uetikon mit der ganz grossen Kelle anrichten würde, dürfe ihm als «Herzblut-Uetiker» nicht verübelt werden. «Seit 35 Jahren befasse ich mich mit diesem Areal, und es hat das grösste Entwicklungspotenzial in der ganzen Schweiz. Es wäre schade, wenn daraus nur das Nötigste gemacht würde.»



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